Konzept

Das Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt befördert die Sensibilisierung von Stadtgesellschaft und Communities und stärkt die Prävention und Anti-Gewalt-Arbeit durch qualifizierte Berichterstattung über LSBTI-feindliche Gewalt in Berlin. Das Monitoring trans- und homophobe Gewalt wird durch einen wissenschaftlichen Expert*innenbeirat und einen Runden Tisch mit Akteuren aus Zivilgesellschaft und öffentlichem Sektor unterstützt. Alle zwei Jahre erscheinen Monitoring-Berichte, die wichtige Ergebnisse öffentlichkeitswirksam präsentieren.

Sie bieten

(a) eine fortlaufend aktualisierte und datenbasierte Berichterstattung zu trans- und homophober Gewalt in Berlin,
(b) Fallstudien zu relevanten Themenfeldern der Prävention und Anti-Gewalt-Arbeit,
(c) Gastbeiträge von ausgewiesenen Expert*innen oder Aktivist*innen, 
(d) zahlreiche Kontakte und Adressen für Austausch, Beratung und Unterstützung und 
(e) insbesondere für Mitglieder des Runden Tisches verbesserte Prozesse des Fachaustauschs und der Qualitätsentwicklung in der Dokumentation von trans- und homophober Gewalt.

(a) Datenbasierte Dauerberichterstattung

In einer ersten Säule des Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt werden bestehende Statistiken und Dokumentationen zu trans- und homophober Gewalt aus öffentlichem Sektor und Zivilgesellschaft aufbereitet und analysiert. Im Bundesvergleich verfügt Berlin ungeachtet bestehender Lücken und offener Bedarfe über eine vergleichsweise entwickelte Auseinandersetzung mit trans- und homophober Gewalt. Einschlägige Statistiken und Dokumentationen werden allerdings bisher nicht ausreichend aufbereitet, analysiert und miteinander verglichen. Das Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt erschließt daher einerseits polizeiliche Statistiken zur sog. Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung sowie die entsprechende staatsanwaltschaftliche Statistik. Zudem umfasst das Monitoring andererseits Verfahren, um die Expertise der zivilgesellschaftlichen Beratungs- und Opferhilfestellen zu trans- und homophober Gewalt in Berlin in systematischer Form zu sichern und zu dokumentieren. Diese Expertise umfasst die statistische Dokumentation von Vorfällen, geht aber deutlich darüber hinaus und macht daher auch qualitative Formen der Berichterstattung erforderlich.

Bei den staatlichen und den zivilgesellschaftlichen Informationen handelt es sich zumeist um sog. Hellfelddaten, die auf Anzeigen, Meldungen oder Beratungsanfragen zurückgehen. Gewalterfahrungen, die von den Betroffenen nicht weitergegeben wurden, werden daher in diesen Verfahren auch nur eingeschränkt berücksichtigt. Das Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt möchte diesem Umstand durch die Einbeziehung von bevölkerungsrepräsentativen Daten zu Diskriminierungserfahrungen und diskriminierenden Einstellungen gegenüber LSBTI ansatzweise begegnen. Solche Daten werden durch Bevölkerungsbefragungen zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) in Berlin seit dem Jahr 2019 im Rahmen des Berlin-Monitor (https://berlin-monitor.de/) erhoben.

(b) Multimethodische Untersuchung zentraler Themenfelder

In einer zweiten Säule werden zentrale Fragen der Bekämpfung von trans- und homophober Gewalt über multimethodisch angelegte Fallstudien aufgegriffen. In der ersten Ausgabe des Monitorings handelt es sich um lesbenfeindliche Gewalt, die zweite Ausgabe untersucht Transfeindlichkeit und transfeindliche Gewalt. Auch zukünftige Ausgaben werden gezielt Fragestellungen und Themen aufgreifen, zu denen bisher nur wenig spezifische Forschung und Berichterstattung vorliegt. Die Fallstudien ergänzen zudem die statistisch und quantitativ angelegte Dauerberichterstattung durch tiefergehende Informationen und Erkenntnisse. Sie berücksichtigen in höherem Maße insbesondere die subjektiven Erfahrungsdimensionen der Betroffenen von trans- und homophober Gewalt. Methodisch umfassen die Fallstudien daher insbesondere qualitative Verfahren, etwa narrative und biographische Interviews, Expert*innengespräche und Gruppendiskussionen. Neben betroffenen Einzelpersonen sollen auch die Perspektiven und Erfahrungen von Community-Organisationen und Beratungsstellen in Ausrichtung, Anlage und Datenerhebung der Fallstudien eingebunden und berücksichtigt werden. Befragungen von Trägern, Aktivist*innen und Berater*innen sind feste Bestandteile der Fallstudien.

Explorative Zugänge zum Dunkelfeld der Erfahrung trans- und homophober Gewalt sind ein weiterer Aspekt der Fallstudien. Zielgruppenorientierte, insbesondere online-basierte Befragungen zu Gewalterfahrungen, zu Bewältigungsprozessen und zum „Coping“ von Gewalt und Diskriminierung sowie zu geeigneten Unterstützungsleistungen steuern ergänzende Informationen bei. Gegenüber qualitativen Interviews können höhere Teilnehmer*innenzahlen realisiert werden, die beispielsweise die Bewertung des Verbreitungsgrads und bestimmter Phänomene erleichtern.

(c) Gastbeiträge

Das Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt versteht sich nicht nur als isoliertes Forschungsvorhaben. Über geeignete Maßnahmen sollen immer wieder auch weitere Stimmen und Akteure aus Communities, aus Anti-Gewalt-Arbeit und Prävention einbezogen werden. Daher sind die Monitoring-Berichte nicht wie geschlossene wissenschaftliche Monographien angelegt. Über separate, kürzere oder längere Einzelbeiträge sollen offene Lektüren und magazinhafte Zugänge angeregt werden. Gastbeiträge externer Autor*innen bringen ergänzende Perspektiven und Impulse ein.

(d) Kontakte und Adressen zu Beratung und Unterstützung

Ein Serviceteil mit Adressen gegen trans- und homophobe Gewalt eröffnet Kontakt- und Ratsuchenden einen schnellen Überblick über Hilfs- und Unterstützungsangebote in Berlin.

(d) Fachaustausch und Qualitätsentwicklung zur Dokumentation trans- und homophober Gewalt

Neben der Berichterstattung, die sich an eine breitere Öffentlichkeit richtet, ist der Wissenstransfer und der Fachaustausch in Expert*innenbeirat und Rundem Tisch ein gleichermaßen relevanter Aspekt des Monitorings. Die Mitglieder des Runden Tisches sind zentrale Akteure der Arbeit gegen trans- und homophobe Gewalt in Berlin. Sie verfügen über eine besonders hohe Expertise und Fachlichkeit, die in langjähriger Vertrautheit mit dem Feld entstanden ist. Das Monitoring erkundet Wege der Zusammenarbeit, der gemeinsamen Dokumentation von Vorfällen und der Stärkung und Weiterentwicklung von bestehenden Verfahren und Vorgehensweisen.